Klangvielfalt
Ein Kastagnettenpaar ist immer eine hell klingende (hembra / Weibchen) und eine dunkel klingende (macho / Männchen) Kastagnette, mit einem Tonunterschied bis zu einer Quinte.
Klangvielfalt mit nur zwei Tönen?
Ja, die rhythmischen und klanglichen Möglichkeiten der Kastagnetten sind praktisch unbegrenzt. Eine verfeinerte Anschlagstechnik und unzählige Schlagkombinationen in Verbindung mit sämtlichen musikalischen Phänomenen, wie Tempo, Betonung, Dynamik u. a.,
bringen immer wieder neue Klangnuancen.
Je nach Material, Größe und Bearbeitung der Instrumente ergeben sich zusätzliche Klangvariationen.
Das Spiel mit zwei Tönen erscheint tatsächlich wie Musik!
Material
Als Volksinstrument unterlag die Herstellung der Kastagnetten der ortsüblichen Handwerkstradition. (In entlegenen Gebieten Spaniens ist dies sicherlich heute noch üblich.) Es wurden hauptsächlich heimische Hölzer verwendet: Pinie, Akazie, Buchsbaum, Kirsche, Nussbaum, Buche. Diese Hölzer ließen sich zwar, auf Grund ihrer Weichheit, gut verarbeiten, hatten aber den Nachteil, dass man damit keinen prägnanten Ton erzeugen konnte. Nach intensiverem Gebrauch der Kastagnetten wuchsen etwa im 18. Jahrhundert auch die Ansprüche an die Qualität der Instrumente. Die meisten Tänzer und Kastagnettenspieler benutzen heute Instrumente aus Grenadillholz, Palisander, Rosenholz oder Ebenholz. Harthölzer sind widerstandsfähiger und bringen den gewünschten klaren Klangeffekt. Es gibt auch Kastagnetten aus Fiberglas und Tela (Kastagnetten aus gepresstem Stoff in Kunststoff getränkt). Diese Instrumente sind praktisch unverwüstlich, reichen aber in der Klangqualität und spieltechnisch nicht an gute Holzkastagnetten heran. Bei Tänzerinnen sind sie allerdings sehr begehrt.
Gesehen wurden auch Kastagnetten aus Metall und anderen Materialien, die jedoch bei Konzerten höchstens für Spezialeffekte Bedeutung haben. Bemalte Kastagnetten aus Souvenirläden sind nur bedingt brauchbar und nicht für den Konzertsaal geeignet.
Bauweise
Es gibt eine reiche Anzahl an Folklorekastagnetten, aus den verschiedensten Gebieten Spaniens, die sich (gemäß der regionalen Entwicklung) in Material, Größe, Form und Verzierung unterscheiden.
Bei Konzertkastagnetten verzichtet man aus spieltechnischen Gründen ganz auf Verzierungen und kann von der Form des Instrumentes oft auf seinen Hersteller oder auf ein bestimmtes Modell schließen.
Trotz aller möglichen Unterscheidungen, bleibt die Grundbauweise der Kastagnetten immer gleich:
Die Kastagnetten bestehen aus zwei muschelförmigen Teilen, die zusammengebunden (mit einer Hand) gegeneinander geschlagen werden.

Entscheidend für den Klang der Kastagnetten sind:
- "punto"
- Der Punkt, am unteren Rand der Muscheln, wo die Kastagnettenhälften beim Schlag aufeinandertreffen.
- "labio"
- Die Lippe, der restliche Teil des Randstreifens auf beiden Seiten neben dem Punkt, schließt nicht ab, sondern bildet einen Spalt. Die Breite des Spalts bestimmt die Stimmung des Instruments.
- "corazon"
- Das Herz der Kastagnette. Hier entsteht der Klang, der durch den Spalt entweichen kann.
Größe
Konzert-Kastagnetten gibt es in ganz unterschiedlichen Größen, was ebenso wie das verwendete Material und die Verarbeitung, Einfluss auf die Klangeigenschaft der Kastagnetten hat.
Die Größenskala reicht von Größe 1, das ist die kleinste Kastagnette, bis zur Größe 12, dem größten Instrument.
Die Kastagnetten links oben sind Größe 1,
rechts oben Größe 3 und
unten Größe 6.
Zur Zeit der höfischen Tänze und der Escuela Bolera wurden kleine Kastagnetten mit relativ hohem Klang bevorzugt. Heute sind, besonders bei Männern, dunkel klingende Instrumente gebräuchlich.
In der Regel entspricht aber die Größe der Konzertkastagnette meist der Handtellergröße des Spielers!