Spieltechnik

Die Entwicklung der Spieltechnik vollzog sich in Spanien analog zur Entwicklung der Instrumente und deren Handhabung. Als die Kastagnetten am Mittelfinger befestigt waren, konnten nur wenige Grundschläge ausgeführt werden. Diese Art der Befestigung ist heute noch bei den meisten Volkstänzen üblich. Erst die Befestigung am Daumen brachte den entscheidenden Schritt zur heutigen Spieltechnik. Präzises Abrollen der Finger und viele Verfeinerungen wurden möglich. Eine hohe Qualität und Vielfalt der Schläge war die Folge.

Komponisten und Orchestermusikern genügte bislang die Handhabung der primitiven Stielkastagnette, in der Partitur auf einer Linie notiert. Moderne Orchesterkastagnetten bestehen inzwischen aus zwei Instrumenten mit verschiedenen Klangfarben, die der Schlagzeuger mit seinen Schlagstöcken zum Erklingen bringt.

Die spanischen Konzertkastagnetten dagegen sind reine Fingerarbeit und erfordern eine gezielte Ausbildung.

Notation

Es ist noch nicht lange her, dass die Kastagnettenstimme nur nach Gehör gespielt wurde. Das heißt, man konnte die Spieltechnik nur durch Ausprobieren und Abgucken erlernen. Sprachsilben wie:

"carretilla tan tin tan"  oder
"ri a pi ta ",  
was beides dasselbe bedeutet, sollten dem Spieler helfen. In der Tanzpraxis konnte das bis heute auch genügen.

Musikalisch gesehen bedeutete aber das Fehlen einer entsprechenden Notationsweise, welche die erhöhten technischen, rhythmischen und klanglichen Möglichkeiten des Instruments berücksichtigt, ein schweres Manko. Immer vielfältigere und kompliziertere Schlagverbindungen sowie erhöhte Anforderungen an Geschicklichkeit und Musikalität machten eine angemessene Notationsweise und eine differenzierte Lehrmethode dringend notwendig. Es gab einige Versuche, die jedoch nicht wirklich zum Erfolg führten.

Erst Emma Maleras, Tanzpädagogin am Konservatorium von Barcelona, legt 1983 ein praxiserprobtes Notations- und Lehrsystem vor. Angeregt durch ihre Klavierausbildung, begann sie Kräftigungs- und Geläufigkeitsübungen für das Schlagen und Gleiten der Finger auf den Kastagnetten anzuwenden. Der hörbare Erfolg ermutigte sie, die Übungen zu erweitern und zu verfeinern. Sie verfolgte die konsequente Einbeziehung aller klanglichen und dynamischen Möglichkeiten, die völlige Gleichrangigkeit des Spiels beider Hände und entwickelte so ein auf der traditionellen Notenschrift aufbauendes Notensystem. Vom Blatt spielen war jetzt möglich!

In Deutschland erschien, ebenfalls nach dem Lehr- und Notationssystem von Emma Maleras, die "Kastagnettenschule" der Tanz- und Musikpädagogin Ria Schneider.

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